Wald pflanzen, Wald schreiben – Kollektivgedicht

Wir freuen uns, das Kollektivgedicht zu teilen, das Jugendliche beim Workshop „Wald pflanzen, Wald schreiben“ am 12. Oktober 2025 im Berliner Spreeacker verfasst haben und nun auf der Webseite des Hauses für Poesie veröffentlicht wurde – eine schöne Herbstreminiszenz, rechtzeitig zum Frühlingserwachen!

(c) Andrea Vollmer

berlin / spreeufer / reservat

rosmarin und salbei und herbstlaub gibt es
nasse blätter und zukunft und die gewerkschaft und
mülleimer mit stickern und hinweisen und mutsprüchen
„nerds gegen nazis“ „horst flip“ „betonkinder“ „dorf atzen“
„einkauf aktuell“ „frauen leben freiheit“ der sand
knirscht unter den sohlen wie die nebelkrähe
sich wegschwingt klappert das gatter klappert der bauzaun
paletten im regen grillschalen mit koks und quitten verfaulen
ein tischchen steht schräg die bierflasche schläft ihren rausch
aus die tipibewohner halten es mit sich selber aus ich kann
mir gar nicht vorstellen da zu leben und sehe einen
gartenschlauch der da
liegt und beißt sich ins eigene ende wie die zeit die
wiederkehrt und sich entrollt und weitergeht und
totenschädel gibt es schutzgeister vorm haus in lampen
gelegte schädel und wackersteine zum schutz des eigentums
für bäume zum halt windstöße gibt es und wogende halme
sich bäumende zweige bastsessel spaten und sandrechen
den grill vom letzten fest unter dem biertisch abgestellt die
sprudelkiste zum hocker erklärt den sand der den schritt
dämpft und blätter fallen von selber in den fluss in den sand
in mein gemüt und bauzäune gibt es und eco-toiletten und
den schneeball am zweig also beeren und pilze am
stammholz das wittert im wetter und stühle beiseitegestellt
wenn gerade kein fest ist und
möwen gibt es die schwingen sich über den fluss und
holzrauch gibt es und einen kleinen böse blickenden bären
aus plüsch mit irokesenschnitt und messerscheide
(maskottchen
auf eigenen wegen) und gestelzte sprüche vom
sightseeingboat die touristenfähre tuckert vorbei da wird
den leuten gesagt was sie nicht sehen geschichtetes reisig
hier ist kein hundeklo und malus domestica paradiesisch
verfärbt heißt der apfel der hier reift sonnengelb und ein
teich und ein bootshaus ein bunker aus ddr-zeiten mit yacht
in das ufer gebaut das wasser das gluckert wenn schon das
boot vor anker liegt und nicht tuckert das wasser erzählt von
fernen tagen der grenzpolizei am ort mit telefon um
meldung zu machen eine große glasscheibe direkt am Ufer
genau über dem Wasser der Spree eine flagge weht mit
totenkopfschädel hinter der die s-bahn kreuzt und treppen
ins untergeschoss gibt es und
unter den wimpeln bunt und einer regenbogenflagge
(solidarität) wird gekocht „tell people you love them“ der
feigenbaum sprießt mispeln von krähen überflogen
brennessel brennt noch wer hier einfach hinpinkelt hat nix
verstanden vom projekt qr-codes auf stickern die auf outlets
und brunchtimes hinweisen die s-bahn übertönt die spree
aber nicht wenn im bootshaus die wellen sich
übereinanderwerfen ich sehe kräne die alle in eine richtung
zeigen den gleichen weg gehen ich sehe zelte die leuten
unterschlupf bieten die darin wohnen ich sehe die spree auf
der müll schwimmt und blätter ich sehe vegetation die im
herbst ihre farben verliert und ihre blätter fallen lässt ich sehe
einen weg nass vom regen obwohl es nur genieselt hat ich
sehe wie von den blättern immer wieder tropfen runterfallen
sehe ein boot das über die spree fast fliegt und wellen
hinterlässt ich habe einen regenwurm gefunden den wir in
den kompost gelegt haben er hat sich direkt einen neuen
freund gesucht nämlich einen marienkäfer wir haben heute
eine Krähe getroffen auf der Suche nach einem metallisch
scheinenden Handy. Die uns helfen wollte, aber nicht wirklich
konnte. Sie hat mit sich gerungen. Sichtlich gerungen. Und
uns einen verschämten Blick zurückgelassen.
hier im bootshaus schwappt der wellengang unter unsere
stühle hier drin ist es wie in einem james bond-film und ich
habe richtig lust einfach auf die yacht zu springen und
loszufahrn es gibt einen ice-zug der immer wieder hier
langfährt und bäume im hintergrund die stillstehn was es
hier alles gibt rauch und mispelbäume es gibt
wasseroberflächen die sich in geschichte spiegeln bunte
häuser das größte „hier ist kein hundeklo“ von ganz berlin es
gibt regenwürmer die sich regenerieren es gibt ein kleines
affenspielzeug was vielleicht ein kleines kind zurückgelassen
hat das jetzt ganz traurig ist oder vielleicht auch schon
erwachsen man weiß es nicht es gibt marienkäfer in den
mülleimern die die äpfel essen es gibt ein ausgenommenes
fahrrad im gebüsch es gibt ein touriboot und es gibt die
durchsage auf dem touriboot dass hier das leben tobe wo
wir gerade sind es gibt eine riesenyacht auf die ich gerade
raufspringen möchte es gibt bäume die langsam ihre farbe
ändern weil sich das chlorophyll zurückzieht es gibt die zwei
flaggen die im wind schweben es gibt „für immer patzig“ ein
ruhiger ort in einer stadt die niemals schläft es gibt hier
geschichtetes reisig als zaun und steine die bäumen halt
geben es gibt kräne die in eine richtung zeigen es gibt ein
haus in dem ein treffen stattfindet es gibt leute die in diesen
häusern sind kennst du die leute und was es hier gibt kräuter
die du noch nie geschmeckt hast deren aroma dir am finger
klebt es gibt riesige karotten die wir nachher für die suppe
benutzen es gibt ranken die von den balkonen oben
runterrankeln es gibt eine aufgerissene tüte mit
gemüsechips um die sich alle drängen es gibt hier keinen
supermarkt es gibt hier keine flugzeuge es gibt hier keinen
sonnenschein es gibt hier keine autos es gibt hier keine
atombombe es gibt hier keine technik es gibt hier tatütataa
tatütataa es gibt hier keine märchen es gibt hier keine
fabelwesen wie drachen einhörner und meerjungfraun es
gibt hier kein theaterstück ich habe hunger ich auch so ist
das hier

Kollektivtext, entstanden am 12. Okt. 2025

Adele Gericke
Jason Trapp
Viktor Schultz
Sofia B. Riques Oxsalà
Minja Kukanjac
Souat Eslek
Valeria Kokorina
Kylie Haas

Workshopleitung

Timo Brunke, geboren 1972 in Stuttgart, studierte Evangelische Theologie in Tübingen und absolvierte eine Schauspielausbildung bei Frieder Nögge und Wolfgang Wilmes, sowie eine Sprechausbildung bei Heide Mende-Kurz und lebt in Stuttgart. Von 1999 bis 2009 war er Mitglied der Liedermacherschule SAGO/Christof Stählin. Neben einer umfangreichen Auftritts- und Vermittlungstätigkeit im deutschsprachigen Raum ist er seit 2012 Dozent für Deutschlehrkräfte am Literaturpädagogischen Zentrum des Stuttgarter Literaturhauses. Seit 2016 arbeitet er als Konzertpoet mit Orchestern. Er veröffentlichte vier Gedichtbände, zuletzt Mitteleuropapperlapapp (2023), sowie seit 2015 mehrere Praxisbücher für den Deutschunterricht.

Isabel Fargo Cole, geboren 1973 in Galena, Illinois, wuchs in New York City auf und lebt seit 1995 als Autorin und Übersetzerin in Berlin. Ihr Romandebut Die grüne Grenze (Edition Nautilus 2017) wurde für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Ihr zweiter Roman Das Gift der Biene erschien 2019 in der Edition Nautilus und wurde für die LiteraTour Nord ausgewählt. Um Brücken zwischen ihrer künstlerischen Tätigkeit und ihrer langzeitigen Beschäftigung mit ehrenamtlichen Forstprojekten zu schlagen, hat sie 2020 das Projekte „Waldschaffen – Kulturschaffende schaffen Wald“ initiiert. 2025 erschien von ihr Das Zenonzän. Paradoxien des Fortschritts (Edition Nautilus).

Birgit Kreipe, geboren in Hildesheim, studierte Psychologie und Germanistik in Marburg, Wien und Göttingen und lebt in Berlin. Jüngere Veröffentlichungen umfassen den Gedichtband aire (kookbooks 2021), sowie Übersetzungen aus dem Englischen in Grand Tour. Reisen durch die junge Lyrik Europas (Hanser 2019). 2021 erschien zudem der von ihr mit-herausgegebene Band Rote Spindel, schwarze Kreide. Märchen im Gedicht (Edition Azur). Für ihre Arbeit erhielt sie in den vergangenen Jahren mehrere Auszeichnungen und Stipendien, darunter ein Arbeitsstipendium des Berliner Senats (2021), ein Stipendium der Deutschen Akademie Rom, Casa Baldi (2022), den Literaturpreis der A und A Kulturstiftung (2022), ein Werkstipendium des Deutschen Lit­­eraturfonds (2023), sowie 2025 ein Stipendium der Villa Aurora in Los Angeles.

Michael Lafond arbeitet als multidisziplinärer, unabhängiger Akteur an den Schnittstellen von Gemeinwohl und kollektivem Eigentum in Berlin. Seit 2011 ist er an der Entwicklung der Spreefeld Housing Cooperative sowie der Initiative Spreeacker beteiligt und engagiert sich langjährig im Bereich Community-Led Housing sowie bei der Berliner Stadtbodenstiftung. Ausgangspunkt der Projekte ist die Theorie und Praxis der Sozialökologie mit einem besonderen Fokus auf Dialog, Selbstorganisation und lokalen urbanen Initiativen. Er koordiniert Bildungsangebote, Netzwerkveranstaltungen und Publikationen zu Genossenschaften und Co-Housing, sowie zu verwandten Themen wie Community Land Trusts und Urban Agriculture im Kontext einer postwachstumsorientierten, demokratischen Stadtentwicklung. Zu den Veröffentlichungen zählen unter anderem die eBooks Social-Ecological Cooperative Housing, Co-Housing Cultures und CoHousing Inclusive.

Lyrik aus der Waldgarten-Werkstatt #2: Filiz B.

DEN SOMMER VERPASST

Der Brombeerstrauch, der Brombeerstrauch
Zeigt Punkte an seinem Beerenstrauch

Auf dem grünen Blatt ein` Schneck`
`Ne andere daneben ums Eck`

Der Brombeerstrauch spricht leise zu ihr
Vermisst`den Sommer, so scheint`s mir

`Ne reife Brombeere gewiss
Diesen Sommer Du nicht vergisst

Entstanden während der Ernte- und Lyrikwerkstatt SelbstVERSuche spezial am 12. Oktober 2025.

Filiz B. ist beim Spreeacker e. V. aktiv. 

Lyrik aus der Waldgarten-Werkstatt #1: Hanno Hartwig

©Andrea Vollmer

Herbstimpressionen

Wie damals, als die ersten Blumen blühten,
und Winterbilder, keilschattig, auf das Licht
des Frühlings trafen. So blühen auch
die Astern jetzt, mit blauem Herbstgefieder.

Ihre Schwestern krümmen kaum des Feldes
Furchen, die dämmernass im Regenwasser
baden. Schlammgesprenkelt, eine Mauer,
als Grenze für die Stimmen, die sich bündeln.

Giftig sind die Herbstzeitlosen, ihr rosazartes
Kleid spiegelt sich in keiner Pfütze wider.
Nur zwei Augenpaare küssen sich im Stillen,
um das Leben neu zu kalibrieren. 

Der Maulwurf hat sich eingegraben, bereit
schon für die Zeit der Ruhe, und bleibt
auch an den Wurzeln still. Bäume schütteln
welke Lasten aus den Kronen. Blätter fallen

Taumelnder zu Boden und decken zwischen
Weg und Feld die Spur gelebten Lebens zu.
Wie oft hab ich den Herbst besungen,
mir meinen Lohn vom Zweig gepflückt. 

Meist ging ich dann ein Stück und blieb,
der Impression des Herbstes folgend,
auf nebelfeuchten Wegen, nah des Waldes,
an einem See mit wilden Rosen stehen.

 

Der Grund etwas zu spiegeln

Wie sanft das matte nebelweiße Trübe,
wie tief der Blick ins Nichts.
Nichts trübt den Blick, wenn man von
Innen sieht, nichts hebt den Blick

Wenn es von außen neu betrachtet wird.
Wer stirbt, wer lebt, wer bleibt
im Sein der Dinge, wenn die Ringe die
man wirft mit einem Stein,

Wie von selbst gespiegelt werden?
Du fragst dich ob es einen Grund
gibt, für das Tiefe, das man in sich selber
fühlt. Sieh in das Weite Freund 

Und lebe von Horizont zu Horizont,
auch wenn das Sterben dunkel ist.
Das Wandelbare spielt dir ins Gewissen,
wie es das schon immer tat.

Es grüßt und lässt dich herzlich grüßen,
es weiß, und weiß doch wieder
nicht. Schau, die Laterne ist das Licht,
es spiegelt sich in einer Pfütze.

 

Leb wohl trommelt der Specht

Dem Baum, der alt schon über viele Jahre
in rot und gelb sich taucht,
wenn Licht und Ferne, im Bund mit Nebeln,
über umgepflügten Feldern raucht,

 Ist mir als legt sich Neues in die Furchen,
die in Erwartung auf den Winter ruhen.
Erntedank, und Schatten brennen mit den Feuern.
Ein letztes müdes Blatt. Wenn es fällt ist mir,

Als winkt es den Getreuen, des Baumes
zu gedenken, der im Sommer durch die Stürme fiel.
Grün war sein Gezweig im Havelland
bevor die alte Wurzel brach. Jetzt liegt er,

Eine Ribbecksche Legende, dem keine Zeit
mehr blieb, den Korb des Pflückers zu befüllen.
Maschinenrüttler schütteln jetzt die Bäume.
Förderbänder brummen. In Sekunden 

Ist die Plantage leergeräumt. Der Herbst
hat keine Zeit mehr zu verlieren.
Nur ein Specht, im Wald, lockt trotz des Sterbens,
den Takt des Wandelbaren aus den Bäumen.

 © Hanno Hartwig

Entstanden anläßlich der Ernte- und Lyrikwerkstatt SelbstVERSuche spezial am 12. Oktober 2025.

Hanno Hartwig wurde in Kassel geboren. Er ist 68 Jahre alt und schreibt seit seiner Kindheit Gedichte. Er ist Mitglied in verschiedenen Literaturvereinen, und nach 50 jähriger Berufstätigkeit in Rente. Er hat drei Lyrikbände veröffentlicht, und ist in verschiedenen Anthologien zu finden.

Eindrücke aus der Waldgarten-Werkstatt #2: Lyrikworkshop

Jugendliche beim Schreibworkshop im Bootshaus. Foto ©️ Andrea Vollmer
Gedichtschnipsel, Schwarznüsse, Mispeln, Sanddorn beim Lyrikworkshop im Gemeinschaftsraum des Spreefelds. Foto ©️ Andrea Vollmer
Michael LaFond vom Spreeacker schnipselt ein Gedicht zusammen. Foto ©️ Andrea Vollmer
Werkstattleiterin Birgit Kreipe stellt Buchempfehlungen vor. Foto ©️ Andrea Vollmer

Eindrücke aus der Waldgarten-Werkstatt #1: Ernteaktion

Ein paar visuelle Impressionen des Workshops „SelbstVERSuche spezial
WaldGarten – Erntedank!“ vom 12. Oktober 2025. Mit herzlichen Dank an Michael LaFond und das Spreeacker-Team, das Haus für Poesie und Birgit Kreipe – sowie an Andrea Vollmer für die wunderschönen Fotos!

Foto ©️ Andrea Vollmer
Blick vom Spreeufer. Foto ©️Andrea Vollmer
Im Waldgarten. Foto ©️Isabel Fargo Cole
Im Waldgarten. Foto ©️ Andrea Vollmer
Ölweide. Foto ©️ Isabel Fargo Cole
Sanddorn. Foto ©️ Andrea Vollmer
Schwarznüsse. Foto ©️ Andrea Vollmer
Die Ernte: Sanddorn, Ölweide, Schwarznüsse, Quitten, Kräuter. Foto ©️ Andrea Vollmer

12. Oktober 2025: Neuauflage der Lyrikwerkstatt „Wald pflanzen, Wald schreiben“

Am 12. Oktober 2025 laden wir wieder ein in den „Food Forest“ des Berliner Wohn- und Kiezprojektes Spreeacker e. V., um Herbstfrüchte und -gedichte zu ernten.

Der eigenen Wahrnehmung zwischen Urbanität und Natursuche, Kraut und Rüben, Ökologie und Sellerie nachzuspüren, sie poetisch zu entwickeln bzw. erproben, sich en passant über aktuelle Trends und Möglichkeiten von Nature Writing zu informieren oder auszutauschen – das ist das Ziel der seit 2020 jährlich stattfindenden Werkstatt Wald pflanzen, Wald schreiben.

Dieses Jahr wenden wir uns wieder der urbanen Natur zu, an einem einzigartigen Ort: dem Spreeacker mitten in der Stadt, zwischen Wohn- und Kulturprojekten wie Spreefeld, Holzmarkt, Teepee Land und YAAM. Hier an der Spree begegnen gemeinschaftliche und genossenschaftliche Initiativen der Gentrifizierung. Ein idealer Ort, um menschliche und pflanzliche Gemeinschaften, Biodiversität und Vielfalt in der essbaren Landschaft sowie im urbanen Kiez zu erkunden. Teilnehmende helfen im ersten, praktischen Teil unter sachkundiger Anleitung bei Arbeiten im „Food Forest“ und erfahren etwas über die ökologischen Hintergründe des urbanen Waldgartens. Anschließend wird die Ernte im Gemeinschaftsraum kulinarisch zubereitet.

Nach einem gemeinsamen Essen geht es mit der lyrischen Verarbeitung der Eindrücke und Fundstücke weiter. Die Werkstatt ist eine Zusammenarbeit mit dem Berliner Haus für Poesie.

Anmeldung unter mitmachen@haus-fuer-poesie.org

Workshop mit Isabel Fargo Cole, Birgit Kreipe, Michael LaFond
Kosten Ernteaktion kostenfrei, Schreibwerkstatt 8/6 €

12. Oktober 2025, 13 Uhr
Spreeacker Berlin
Wilhelmine-Gemberg-Weg 10-14, 10179 Berlin

„Another River Song“/“Quince and Memory…“ by David Ackos

Another River Song

Oh those rides along the river
where the shallow stream runs wide
and the sea buckthorn and linden
gird the banks on either side

 come with me to my old river
see the place we rest our heads
where the fountain cave once spoke its hymns
of living and of dead

near here Ohéyewahé tops one green gold bluff
and one might smell the river
the sweetgrass
or other stuff

I do not know when I’ll return
to my home so dear
for seas and banks and men with guns
bar me far and near

I dream I may return one day
whatever fate may do

 I pray I may return dear kin
at last at last to you

Quince and Memory
or
On arriving to Berlin

I arrived through a tunnel of loving stone
three young children called to me
“Entschuldigung” and asked
would I buy a slice of cake

Their banana bread, I think it was
had chocolate within

then I came upon a circle
a circle by the river
as Ricardo Prophesied

Here these people are seeking
kinship in the plants and in each other

 we planted two trees together
an apple and a plum
dirt grit upon my hands
a red child’s shovel was my friend and companion

I bit the bright tart yellow orb
the sea buckthorn;
much kinder than the buckthorn back home

I spoke to the quince
“are you a crabapple or a pear,” I asked
and it responded with only
the sweet scent of an autumn orchard 

its pitted surface, so like an apple
from Nicole and Tyler’s yard

The river here is so different from the beloved river of my home
No bluffs adorn its banks
I do not see cottonwoods, black elm, or the hated
ever-present buckthorn

Dinner was fine and bright, full of autumn’s bounty
I met an Englishwoman who spoke to me of walls and kindergarten
of childrearing and of politics;

She asked me of November
I told her of skepticism and relief
desperation and gratitude

here is a place of many narrows
yet it feels expansive with hope

Minnesota is a place of open skies and open fields
open water above and below

but it is narrow with desperation
Minnesota’s people, my kin
and my neighbors
have been dispossessed
and we feel the walls closing in 

here the one wall stands large in memory
and the principles of socialism exist only in authoritarian shadow

my faculty with English is a fine thing,
but I long to participate in the German discussions,
lessons, casual camaraderie

the sun’s rays do not slant down through the trees
or sparkle on the river

the tourboats tool through a gray river
under a gray lightbox sky

the trees are green here; not the vibrant colors of Autumn at home
Perhaps they yet will turn. Array the city in their glory and splendor

Out of the corner of my eye, red, white, and yellow trains cross from Ostbahnhof to the southwest
Trains are everywhere. Magnificent machines.
And capable of such evil uses, like so many of humankind’s creations.

Farewell to Lochaber rings in my heart and ears
though I was not called away to war
instead, my kin are dying at home,
though it is a time of peace (they say)
dying because of the walls we were not taught to fear

Berlin by contrast is a place of safety and abundance
                            at least, by comparison 

at home, I war with society
for the dignity and life of my neighbors,
my kin, my land
here, I may rest
and study
for the next campaign

Reference item:
“A Circle by the River” – Ricardo Levins Morales – 100% Campaign

Written at the workshop „WaldGarten – Erntedank“ on 6 October, 2024.

David Ackos (they/them) is a storyteller, writer, housing justice activist and tenant organizer from St. Paul, Minnesota, USA. They are currently a student at Technische Universität Berlin in the international Urban Management Masters Program.

All photos by David Ackos.

aufBuchen – Aktuelles

Leider werden wir wegen eines Terminkonflikts doch nicht „offiziell“ bei den Pflanzaktionen von aufBuchen am 24. November in Buch und 1. Dezember in Wannsee dabei sein. Hoffentlich können wir dies im Frühjahr nachholen. Aber es lohnt sich auf jeden Fall, sich trotzdem für eine der Aktionen anzumelden. Die Projekte von aufBuchen sind immer super organisiert, man lernt viel, schafft viel und hat Spass dabei!

„zaudernder Kürbis“/“Herbsteinfall“ von Johanna Losacker

Sanddornernte und Workshop-Herbstessen. Foto von Isabel Fargo Cole

Herbst Gedichte

zaudernder Kürbis

Auf dem Feld liegt
ein zaudernder Kürbis.
Mit eingefallener Schale,
rüsselrumpf.
Die Kürbiskumpanen wandelten gen Süden zum Reifen,
Kürbis blieb zurück.
Mit rasselnden Schalen, in gestreiften Panzern
rückte die Familie ab,
bewegte ihn zum Mitgehen.
Doch Kürbis blieb,
wohin er gefallen war.

Was wohl aus mir wird?
Kürbiscremesuppe?

Die Dämmerung zieht auf,
überwirft Kürbis mit einer Kruste aus Dunkelheit.
Der Rücken seiner Schale bergig, geduckt.
Im Schatten liegt, zwischen Ackerfurchen,
wo Blitze ihren Weg hinfinden, Kürbis.
Nicht weit davon, an einem Holzstab aufgezogen
Heinz, der Strohmann.

Heinz,
ruft Kürbis, Heinz! Rede du mit mir.
Wie komm ich hier fort?
Doch Strohmann lacht nur die Krähen an:
Ha, wenn ich das wüsst´, stünd´ ich dann hier?

Strohmann dreht sich im Wind am Mast,
die Krähen picken
Erntealtlasten.

Kürbis denkt an Fallobst,
Fallada, die Schwester,
den Herbst und an seine missliche Lage.

Kürbis krümmt sich
ins Erdreich, das langsam vereist.
Bis er halb bedeckt herausragt mit seinem organischen Panzer.

Wär ich doch eingehüllt in Quittenmarmelade,
denkt Kürbis,
den Schneewetter durchnässt,
schlürfte von Sternfrucht und von Quiche!

Und stieß nicht mit kalten Füßen und Wade
an der Erde Rettichreste.

Herbsteinfall

Rauften sich zusammen:
Rettichrüstungen
Rübenschübe,
Möhren und
Radieschenrümpfe,
Maulbeergaleeren
Birnbaumbomber
und
Borkenkäferartillerie.

Wie ich mich schütze?
Michelinmantel,
Smoothiemixer
und die Azoren!

Entstanden beim Workshop „WaldGarten – Erntedank“ am 6. Oktober, 2024.

Johanna Losacker, geb. 1999 in Hannover, hat Geschichtswissenschaft und Sozialwissenschaften (B.A.) studiert und lebt in Berlin. 2021/22 absolvierte sie ein Praktikum beim Haus für Poesie. 2023 nahm sie dort an der Lyrikwerkstatt der young poems teil. Sie schreibt Lyrik und Prosa.