Neujahrsgruß/Gedichte aus der Waldwerkstatt V: Ulrike Weiskopf

Nach längerer Feiertagspause begrüßen wir das neue Jahr mit einem weiteren Gedicht aus der Werkstatt „Wald pflanzen, Wald schreiben“ – Winterstimmung und Frühlingssehnsucht.

Farn

Ein abgerissener Zweig,
Verwelkt, verdorrt,
Trockenbraun und brüchig,
Zurückgelassen vom Sommer,
Weggeworfen, verweht,
In vergangener Bewegung verharrend,
Filigran, gefiedert,
Zeigt, wie jedes Jahr,
Die starre Zeit an.

Aus frostkahler Erde,
Mit Pflanzenresten überstreut,
Keimen Erinnerungen
An zartes, helles Grün,
Von unsichtbar verwurzelten,
Verzweigten Trieben hervorgebracht,
Steigt Sehnsucht
Nach Wachsen und Wuchern
Üppiger Farne, waldhoch.

Ulrike, geboren 1952, Buchhändlerin, Psychotherapeutin, 1992 von Westen nach Osten gewandert, lebe am Waldrand, schreibe seit Jahrzehnten Tagebuch, Berichte, Geschichten und Gedichte.

Dieses Gedicht entstand im Rahmen der Werkstatt „Wald pflanzen, Wald schreiben“ am 12. Oktober 2020 im Haus für Poesie.

 

Gedichte aus der Waldwerkstatt IV: Barbara Wiebking

I

Ein kleiner Eichling
neben blauschwarzer Feder,
er strebt nach dem Licht.

 

II

Bei unserer Lyrikwerkstatt „Wald pflanzen, Wald schreiben“ brachte die Werkstattleiterin Birgit Kreipe Land- und Forstwirtschaftliche Zeitungen mit, die Bilder und Fachtexte als kreativ zu verfremdende „Gedichtrohstoff“ lieferten – u. a. für folgendes Gedicht.

 

Als ———————–
——– Fux ————–
—————– mit —–
— milchtypisch ——–
—- starker Schulter, —
feminine —————–
—– Haselünne, ——–
—- Reservesiegerin. —

Rolle ——————–
———- Bulle ———
— Wille ——— Chilli

Frisch und straff in der Lende
— Tohuwabohu ——–
————— alte Kühe.

Tolle Vordereuter, ——
harmonische Übergänge,
————- Algenblume,
Powerhouse rotbunt. —

Guillaume ————–
schwärmte von ——–
überwältigenden ——
Embryonenverträgen,
— dänische ————
— abgekalbte ———
— Landwirtin ———
———- erhielt ——–
— Dream —– von —–
Fried ——- helm. —-

Barbara Wiebking stammt aus Niedersachsen, lebt jedoch seit 20 Jahren in Berlin. Sie übersetzt aus dem Englischen, Französischen und Italienischen, liebt Chorgesang und liest gern. Außerdem pflanzt sie immer wieder mal Bäume und mag Waldspaziergänge.

Absage und Aussichten

Es war doch zu schön, um wahr zu sein – die Performancereihe „ONE for ONE“ musste aus aktuellem Anlaß leider umkonzipiert werden, so dass eine Präsentation der Werkstattgedichte in diesem Rahmen nicht mehr sinnvoll wäre. Trotzdem vielen Dank an das ONE-for-ONE-Team für die Mut, ein solches Experiment zu wagen!

Die Vorbereitungen haben immerhin für einen neuen Schub an Gedichten gesorgt, die demnächst hier erscheinen werden.

Darauf können wir uns freuen, sowie auf weitere Pläne und Kooperationen im neuen Jahr, egal, welche Schwierigkeiten noch auf uns zukommen.

Lassen wir uns von den vielen Menschen unterschiedlichster Kreise inspirieren, die mit Ausdauer, starken Nerven und Erfindungsreichtum dafür gesorgt haben, dass 2020 ein kulturelles und soziales Leben weiterhin stattfinden konnte!

Waldschaffen-Lesung 17.12.20 auf dem Ku’damm

Unglaublich aber wahr – ein beherztes Kulturteam hat einen Weg gefunden, unter Einhaltung der Corona-Regeln kulturelle Begnungen „in real life“ zu ermöglichen, und zwar im 1-zu-1-Format. In einem leeren Ladenlokal im Kufürstendamm 51 werden vom 12.-20. Dezember 2020 Lesungen und Performances mitten im Weihnachtstrubel stattfinden. Am 17. Dezember von 13-15 Uhr wird auch Waldschaffen dabei sein – Isabel Fargo Cole wird Waldgedichte verschiedener Teilnehmende unseres Workshops „Wald pflanzen, Wald schreiben“ präsentieren.

ONE for ONE ist ein Ladenlokal mitten am Ku’damm Berlin, wo Besucher*innen in 1 zu 1-Performances individuell beschenkt werden. In kurzen Slots treffen die teilnehmenden Künstler*innen auf eine*n Besucher*in.
In diesen Minuten kann einem Text oder Musik gelauscht werden, ein Tanz oder eine Performance betrachtet werden. Das Erlebnis findet nur in diesem Raum zu dieser bestimmten Zeit statt  – ein Geschenk für Besucher*innen und eine Bühne für Musiker*innen, Performer*innen und Literat*innen.
Drei Plätze in jedem Slot können online gebucht werden, drei weitere stehen für spontane Besucherinnen und Besucher zur Verfügung. Weitere Infos und Buchungen hier.
Ich freue mich auf das schöne Experiment und sechs spannende Begegnungen!

Gedichte aus der Waldwerkstatt III: Rosemarie Küppers

Gedichte-Workshop I am 12.10.2020

Wir gingen unter den Eicheln im Wald, krochen mit gebeugten Rücken, knieten, sammelten Eicheln für den Förster, aus denen in langer Zeit wieder Eichelbäume werden sollten, wenn das Einpflanzen gelang. Es erinnerte mich an die Erzählungen meiner Eltern und Großeltern, aus den Hungerwintern der letzten Kriegsjahre, das verband sich mit dem Besonderen, was ich von der „deutschen“ Eiche wusste, was sie symbolisierte, und daraus wurde spontan das folgende Gedicht:

Im Futterwald

Eiche. Eichelbaum.
Heiliger Baum
der Tausend Jahre
an deren Ende
sie durch die Wälder krochen
hungrig und stumm
in dunklen Kleidern
über die knackenden Nüsse
im polierten glänzenden Haus
von Zucker Stärke und Protein
gebeugt wie Tiere
das Gesicht an der Erde

bei Tannenzapfen und Moos.
Später würden sie rösten und mahlen
backen und essen
auch die mit den Egerlingen
im bitteren Brot.
Noch unterm Bombengeschwader
die Arme gereckt
vor den Eichenzweigen
auf Schulterklappen und Helm
derer die sich
die Ewigkeit holten
wie vom Baum der alten Götter
als Essenz im Eichenlaub.

Rosemarie Küppers, Jahrgang 1953, geb. im Nordschwarzwald, seit 1971 in Berlin. Abitur auf dem „2. Bildungsweg“ und Jura-Studium. Vielfältige Berufstätigkeit, u.a. als Übersetzerin, freie Journalistin, Rechtsanwältin, Lehrbeauftragte für Umweltrecht, zuletzt Lehrkraft an berufsbildenden Schulen. Seit Rentenbeginn endlich mehr Zeit und Lust zum Schreiben .

Gedichte aus der Waldwerkstatt II: Marielle Matthee

(c) Mariëlle Matthee

Ich blinzelte eine Sekunde lang mit meinen Augenlidern. Eine Sekunde lang, viel länger als gewöhnlich, und das Sonnenlicht traf meine Pupillen, als ich die Augen öffnete. Ich sah die Bäume zwischen den Wimpernschatten, sah eine Sekunde lang, wie sie sich vor meinen Augen bewegten. Eine Bewegung, die mir nie bewusst war, eine Bewegung, die fast unmerklich war. Ich sah, wie sich das Grünfließen ihrer Kronen zum Boden neigte, und in dem Grünfließen sah ich, was ich für unmöglich hielt: Tränen. In nur einer Sekunde, dem Moment zwischen dem Licht, das in meine Augen eindrang, und dem Verstehen dessen, was ich sah.

I flashed my eyelids for one second. A second long, much longer than usual, and the sunlight hit my pupils when I opened my eyes. I saw the trees between the shadow of my lashes and saw one second long how they moved in front of my eyes. A motion I was never aware of, a motion almost unperceivable. I saw the greenflow of their crowns bow towards the ground and in the greenflow I saw what I thought was impossible: tears. In just a second, the moment between the light entering my eyes and the understanding of what I saw.  

Mariëlle Matthee ist eine niederländische Schriftstellerin und Dichterin mit einem Hauch von internationaler Gerechtigkeit. Sie lebt seit September 2020 in Berlin und sie studiert dort, wo die menschliche Sprache aufhört und die natürliche Sprache anfängt.

Dieses Gedicht entstand im Rahmen der Werkstatt „Wald pflanzen, Wald schreiben“ am 12. Oktober 2020 im Haus für Poesie.

Eichennester im Grenzstreifen

(c) Robbie Morrison, licensed Creative Commons CC‑BY‑4.0

Am 24. Oktober 2020 haben wir ein Stück der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze am Südrand der Stolper Heide mit Eichensämlingen aus der Umgebung bepflanzt. Zwischen den Kiefern, die seit dem Mauerfall im ehemaligen Grenzstreifen wachsen, haben wir kleine Flächen freigelegt, um jeweils 25 Eichensämlinge in „Nestern“ zu pflanzen. Frei nach dem Motto „Gemeinsam ist man stärker“ haben die kleinen Eichen so bessere Chancen, von den Rehen nicht vernascht zu werden.

(c) Robbie Morrison, licensed Creative Commons CC‑BY‑4.0

Leider ist es im Moment sehr unsicher, wann weitere Pflanzungen stattfinden können. Umso mehr freue ich mich, dass Robbie Morrison die Aktion und die Stimmung des goldenen Herbstes mit wunderschönen Fotos festgehalten hat.

(c) Robbie Morrison, licensed Creative Commons CC‑BY‑4.0

 

(c) Robbie Morrison, licensed Creative Commons CC‑BY‑4.0

Isabel Fargo Cole

Gedichte aus der Waldwerkstatt I: Hanno Hartwig

In lockerer Folge werden hier lyrische Ergebnisse unserer Schreibwerkstatt „Wald pflanzen, Wald schreiben“ präsentiert. So können sich die Waldgedanken weiter fortpflanzen, selbst wenn der Herbst mit neuen Einschränkungen vor der Tür steht.

(c) Isabel Fargo Cole

Sechs Gedichte von Hanno Hartwig


Zwei Übungsgedichte aus der Schreibwerkstatt:


Anders als gewohnt
(zum Lesen bitte auf den Link klicken!)


Sturm                                                                                                  

Ein Sturm beginnt,
der Äste bricht,
die Kraft im Holz
ist eine Welt für sich.

Was bricht, das fällt,
das schlägt, erschlägt,
lässt los, hält an, geho
rcht nur den Gesetzen.

Baum eins, Baum zwei,
ein Alter mehr als
Hundertjähriger wird
Ausgehebelt, freigestellt.

Legt seine Ohren an,
faltet sich zusammen,
im Wind, im Wind:
Der Sturm

Fällt vom Gebirg
herab, rutscht
durch den Wald auf
Regenschlitten,

Biegt die Bäume,
peitscht die Felsen,
rollt die Steine, bricht
Lawinen:   – SCHIEBT.

 

***


Dezember                                                                                            

Im Wald trägt der Holunder Nebel
wie eine bittere Wahrheit.
Der Tod ist ein anderer
im Wechsel der Jahre.
Kälte und Rauheit
leuchten
im Flackern der Reklamen.

***


Stirbt                                                                                        

Aus dem Scharnier geraten,
gerätst du unter Verdacht.
Du hast den Saum der Säume
zerschnitten, die
Fruchtbarkeit deiner Stunden
abgestellt. Wald du bist deinem
Geruch abhandengekommen,
dem Rauschen von einst
folgt nun das Klirren der Steine.
Der Bogen, der deine Ränder bog,
der Reifegrad des inneren Erlebens.
Es gibt keinen Refrain mehr
von Baum zu Baum. Nur ein
Verstummen der Melodien.

 

Des Waldes Rauschen                                                                      

Ich habe, und das ist noch nicht so lange her,
meine Hand auf das Moos der Bäume gelegt,
habe das Wasser gefühlt, sein Rauschen,
eingetragen in die Linien meiner Hand.

Ich habe, und das ist noch nicht so lange her,
mein Gesicht an die Wärme einer Eiche gelehnt,
habe tröstliches gefunden, sanftes Strömen,
durch das Kambium der Rinde. Manchmal

Schlugen Ameisen den Takt, legten Gärten
sie auf den Blättern an, weideten und riefen zum
Rapport. Sättigte Regen das Moos, gründete
das Myzel der Pilze einen Strom in der Tiefe,

Einen Strom, der um Wurzeln und um
Steine bog, wirbelnd in den Kapillaren der Erde.
Ein Mehr an Blüten fiel. Strophen säten,
Bilder in den Vorhang des Erinnerns. Ich hatte,

Und das ist noch nicht so lange her, den Mittel
punkt des Waldes gefunden, Grün mit lilanen
Spitzen. Denn weiße Segel auf blauem
Grund rauschten damals noch in den Bäumen.

 

Auf der Pfänderkuppe der Blick ins Tal …

Auf der Pfänderkuppe der Blick ins Tal:
Bewegter Wald und die Matrix der Tannen
hob sich ab, liebäugelte mit dem Feuervogel
des Abends. Wolken: dunkle Linien.
Ostwärts begann die Barke der Nacht.
Mit dem Tanz der Stunden zogen die Schatten des
Herbstes südwärts, der Pfeil der Graugänse flog.

 

Kurzbiografie Hanno Hartwig

1957 in Kassel geboren, wohne seit 1963 in Berlin bis heute.
Beruf Landschaftsgärtner, danach Gartenbaustudium
Dann öffentlicher Dienst bis heute. Seit 2003 amtlicher Baumsachverständigen.
Schreibe seit meinem 11. Lebensjahr.
Buchveröffentlichung: Helle Fenster 1. u. 2. Auflage
Nikolaus-Lenau-Lyrikpreis am 26.9.2020
Mitglied in mehreren Literaturvereinen.

Poetische Waldaufgaben im SelbstVERSuch

Wer an unserer Lyrikwerkstatt „Wald pflanzen, Wald schreiben“ nicht teilnehmen konnte, ist herzlich eingeladen, sich von den Übungsvorschlägen der Werkstattleiterin Birgit Kreipe inspirieren zu lassen, um im „SelbstVERSuch“ sich dem Thema „Waldgedicht“ zu nähern.

Birgit hat uns vorab einen Reader mit Waldgedichten von Goethe bis Ben Lerner zusammengestellt, um zu zeigen, wie dieses altehrwürdige Genre immer wieder neu belebt wird, zuletzt durch die Ansätze des Nature Writing. Bei unserer Exkursion in der Stolper Heide mit Revierförster Peter Cyriax hat sie uns angeregt, Gegenstände aus dem Wald als Inspiration mitzunehmen. Und schließlich hat sie als sprachlicher Rohstoff für lyrische Experimente zwei Ausschnitte aus forstwirtschaftlichen Texten vorgelegt – siehe unten.

Macht einen Waldspaziergang, nehmt an einer Pflanzaktion von uns oder von anderen Initiativen teil, lest  interessante Gegenstände vom Waldboden auf, stöbert in forstwirtschaflichen Beiträgen im Internet – Birgits Übungen können dabei helfen, die Eindrücke des Waldes zu Texten zu verdichten!

Isabel Fargo Cole

Warm-up (Forstwirtschaftliche Fachtexte)

Der vergleichsweise hohe Holzeinschlag im Jahr 2019 kann unter anderem auf eine Zwangsnutzung wegen Sturm, Trockenheit und vermehrten Insektenbefall zurückgeführt werden, der Schadholzanteil lag in diesem Jahr bei rund 67 % oder 42,6 Mio. Kubikmeter. Dabei ist besonders auffällig, dass der durch Insekten bedingte Schadholzanteil in 2018 und 2019 im Vergleich zum Vorjahr stark zugenommen hat und im Jahr 2019 die Hauptursache darstellt (siehe Abb. „Durch Schäden bedingter Holzeinschlag“). Dies ist im Wesentlichen durch die Hitze sowie Trockenheit der Jahre 2018 und 2019 und der damit einhergehenden Anfälligkeit bestimmter Baumarten für Schädlinge wie etwa den Borkenkäfer bedingt.

(Quelle: Umweltbundesamt)

Verjüngung und Kulturpflege (Höhenbereich bis 1,50 m). Eichenverjüngung sollte möglichst unter Schirm oder nach kleinen Lochhieben erfolgen. Auf größeren Freiflächen leidet sie häufig unter der Wirkung von Spätfrösten und einer kräftig entwickelten Bodenvegetation. In der Anwuchsphase haben junge Eichen eine hohe Schattentoleranz, die jedoch sehr schnell abnimmt. Auf trockenen und ärmeren Standorten haben die Jungpflanzen einen höheren Lichtbedarf. Nach Etablierung der Verjüngung müssen angepasste Lichtverhältnisse geschaffen werden. Zu langer Dunkelstand führt zu Wuchsdeformationen und Vitalitätsverlusten. Da die Eiche im Vergleich zu anderen Baumarten überdurchschnittlich durch Wildverbiss gefährdet ist, sind für eine erfolgreiche Verjüngung angepasste Wildbestände unabdingbar.

(Quelle: Waldbaurichtlinie für das Land Brandenburg: Eiche)

Aufgabe:

  • Versuche, durch sprachliche Interventionen einen der Texte zu poetisieren, ihn zu einem gedichtähnlichen Text zu machen: Von Zeilenumbrüchen, Umstellungen, Rhythmisierungen und Auslichtungen (bzw. Ausstreichungen), bis hin zu Übertreibungen, Ergänzungen und Verfremdung ist alles erlaubt!

Alternativ:

  • Versuche den Text verschwinden zu lassen, durch fortschreitendes Weglassen einzelner Laute im gesamten Text: Zunächst z. B. das „o“, nach ein paar Zeilen dann auch das „e“ usw., vielleicht können auch Konsonanten oder Wortzwischenräume verschwinden. Du kannst mit dieser Methode unkompliziert die Wirkung von Artenschwund, Verlust von Diversität u. ä. an der Textur des Textes selbst nachempfinden. Dieses Vorgehen hat Ulrike Draesner erfunden und vorgemacht (in: „Park“ 74, 2020).

Alternativ:

Wildlingswerbung, Nachverdichtung, Bodenverbesserung, Humusaufbau, Festmeter, Läuterung

Versuche, aus diesen oder anderen Fachbegriffen der Forstwirtschaft ein kurzes poetisches Statement zu entwickeln. Die Begriffe können dabei auch selbst verändert oder zu neuen Wörtern kombiniert werden.

Schreibübung: Gedicht oder kurzes Prosagedicht

A) Nimm Deinen mitgebrachten Gegenstand zur Hand. Betrachte ihn genau. In welchem Kontext hast Du ihn gefunden? Was erzählt er Dir über den Wald? Lass Deinen Assoziationen freien Lauf, frei nach Gaston Bachelard: In ganz kleinen Dingen und Gegenständen sind oft große Bilder verborgen.

B) Wie hat der Tag im Wald oder das Gespräch mit dem Förster Deine Wahrnehmung verändert? Welche Themen bewegen Dich weiter? Gab es einen besonderen Moment, den Du einfangen möchtest, oder eine Inspiration?

(Wenn Du nicht bei der Exkursion dabei warst, kein Problem: Erinnere Dich an einen Moment im Wald, der für Dich bedeutsam oder intensiv war, und arbeite damit und mit den Infos und Anregungen aus dem WS weiter).

Alternative Aufgaben:

C) Stell eine Liste kreativer Farbwörter und Farbnamen zusammen, für die Farben, die Dir im herbstlichen Wald aufgefallen sind.

D) Schreib ein Antwort- oder Gegengedicht zu einem der Texte aus dem Reader mit Waldgedichten.

E) Du kannst auch eine Collage anfertigen oder dich mit dem Material für Ausstreichungen beschäftigen: zum Beispiel mithilfe von viel Tipp-Ex ein „Gedicht“ aus einem Artikel aus der Zeitschrift „Land- und Forst“ machen.

F) Wenn Du einen anderen Ansatz findest, setze diesen um, oder schreibe frei Deinen eigenen Impulsen folgend.

Birgit Kreipe

(II) … Wald schreiben

Nach unserer Exkursion am 10. Oktober,  fanden wir uns am 12. Oktober in den Räumen des Hauses für Poesie ein, um unter der Anleitung der Lyrikerin Birgit Kreipe „SelbstVERSuche“ mit dem Wald anzustellen.

Nicht alle Teilnehmende waren bei der Exkursion gewesen, aber mitgebrachte Objekte aus dem Wald und Texte aus dem Bereich der Forstwirtschaft sorgten für ergiebigen Stoff. War es am 10. Oktober darum gegangen, einen Beitrag zum „Umbau“ der Forstmonokultur in einen Mischwald zu leisten, galt es nun, forstwirtschaftliche Texte zu Gedichten „umzubauen“.

Birgits ausgeklügelte Aufgaben lieferten konkrete Anregungen, ermutigten aber auch zum freien Experimentieren. Beindruckend, dass innerhalb von einer Viertelstunde schon lebendige, kraftvolle Texte entstehen konnten – es war, als würden Eicheln im Schnelldurchlauf keimen. Auch lebhafte Diskussionen entfalteten sich: Ist die Fachsprache der Forstleute eher inspirierend oder befremdlich? Stellt ihre Perspektive unsere gewohnten Waldbilder in Frage, irritiert sie uns mit ihrem Pragmatismus, erweitert sie unseren Horizont mit den langen Zeiträumen, die sie umfasst? Oder alles zugleich? („An einer Eiche verdient man erst nach achtzig Jahren“, so Revierförster Peter Cyriax.)

Vielen herzlichen Dank an alle, die teilgenommen haben und deren lyrische Einfälle und anregende Diskussionsbeiträge die erschwerten Bedingungen (Masken, herbstlich frische Luft) fast vergessen machten!

Ich freue mich sehr darauf, in den nächsten Tagen und Wochen einige künstlerische Ergebnisse unserer Werkstatt auf dieser Seite zu präsentieren – auf dass ein bisschen Waldluft in lyrischer Form durch das Home Office wehe!

Isabel Fargo Cole